12.05.2018

DAVID BOWIE pinups (1973)


Spiel mit Identitäten. Im Bewusstsein, dass man einerseits nicht nur eine einzige Identität hat, sondern sehr viele in einem schlummern, andererseits der Kultur- und Kunstprozess nicht aus einem Individuum schöpft, sondern aus dem, was schon da ist: Vorherige Kunst, sozialer Kontext, Zitate und Überlagerungen. Roland Barthes rief in den 60ern den Tod des Autors aus. Dylan versuchte auf „Self Portrait“ einen Weg, sich selbst aus seinem Werk zu entfernen. Später auf der Rolling Thunder Tour 1975 malte er sich das Gesicht kreidebleich, als wäre er ein Toter. Oder ein Dylan-Darsteller in einem antiken Theaterstück. Bowie fächerte sich stattdessen in zig Identitäten auf. Sie landeten beide irgendwie zeitweise auf dem gleichen Weg damit: Nicht der Künstler schöpft aus einem abgegrenzten Selbst heraus, sondern er filtert das, was die Kultur ihm bietet. Vielleicht deswegen entschied sich Bowie, mit „Pinups“ ein Coverversionen-Album zu machen.

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