04.11.2016

YUSUF SAHILLI & BAND eigen und eigenwillig gut

Yusuf Sahilli & Band bereiteten im Prinz Willy einen feinen Abend

Kiel. Solche Abende wünscht man sich: In die entspannte Atmosphäre des Prinz Willy eintauchen und nur auf Armeslänge entfernt eine Band, die sich als echte Entdeckung entpuppt. Yusuf Sahilli und seine beiden Mitmusiker sind zwar erst auf ihrer ersten gemeinsamen Tour unterwegs, wie der sympathisch offen wirkende Sahilli erzählt, doch die dicht gewebten Songs des Masterminds, der sehr beeindruckend Gitarre spielt, dazu noch Klavier und Mundharmonika (die Pedal Steel passte nicht mehr ins Auto) und der mit ausdrucksstarker, leicht kratziger Stimme singt, überzeugen auch jetzt schon mit ihrer Vielschichtigkeit und Frische. Vielleicht auch deshalb, weil der Mittzwanziger Berliner Yusuf, der arabische und türkische Wurzeln hat, „eigentlich schon immer eigene Stücke schreibt“.

Wie das mit straighter Marschtrommel eingeleitete „Hold On“ von der EP „Split Screen Reality“, das mit sehr melodischer Gitarre und einer eingängigen Hookline gefangen nimmt. Die beiden Kollegen, Martin Krümmling an den abwechslungsreich bedienten Drums und Damian Giambazi am treibenden Bass, steuern einen feinen Background-Gesang zur Tenorstimme Sahillis bei, dessen Gesangsstil eigenwillig und immer etwas widerständig phrasiert. Auch wenn sie nur zu dritt auf der kleinen Bühne stehen, klingt der Sound voll und warm. Besonders schön im Song „Wayfarer“, in den Yusuf Sahilli, der es mit jedem gehypten jungen Singer-Songwriter aus Kanada oder den USA aufnehmen kann, Anklänge von arabischen Skalen in sein oft effektvoll verzerrtes Gitarrenspiel und auch in seinen Gesang einfließen lässt. 

Das wirkt kein bisschen weltmusikalisch aufgesetzt, sondern vollkommen organisch, als Stilmittel eben genau dieses Musikers. So wie er Folk-, Rock- und Blues-Elemente aufgreift. Die Indie-Rock-Attitüde, die ebenfalls im Sound steckt, kippt nie ins Pathetische, sondern wird angenehm geerdet. Vor allem, da in fast jedem der Songs Brüche angelegt sind, die sie originell und überraschend machen. Zwei EPs sind bereits erschienen, die Songs gibt es alle live zu hören, ein Album mit neuen Stücken ist in Vorbereitung, auch davon wird einiges gespielt. In den Lyrics geht es ums Durchhalten, ums Unterwegssein und darum, dass es Zeiten der Liebe und Zeiten der Trauer gibt. In Kiel sei ihr bisher erfolgreichster Abend der Tour, erzählt Yusuf Sahilli lächelnd, Hannover und Hamburg liefen nicht so gut. Tja, Hannover und Hamburg, Pech gehabt... (bejblog)

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