16.11.2016

CD-Check Mai 2016



Andy Shauf
The Party“ (Anti Records )
Zuverlässig bringt die kanadische Musik-Szene immer wieder höchst talentierte Singer-Songwriter hervor. Auch Multi-Instrumentalist Andy Shauf ist weit davon entfernt, 0815-Weltschmerz-Geschrammel abzuliefern. Fein ist sein melodisches Songwriting, bei dem er vom Piano über Synthesizer und Gitarre bis Schlagzeug und Klarinette alles selbst eingespielt hat, nur das Cello stammt von einem Kollegen. Die Songs auf seinem neuen Album klingen mal aufgeräumter, mal vertrackter, der Gesang hat etwas leicht Beatleskes. Sie erzählen zehn atmosphärische Minidramen über zehn Menschen während einer Partynacht.
5 von 5

Mira, Un Lobo!
Heart Beats Slow“ (Tapete Records)
Klingt so Krise? Der Soundtrack zum wirtschaftlichen Niedergang in Südeuropa? Der Portugiese Luis F. de Sousa verlor Job und Halt. Nur die Beschäftigung mit seiner Musik brachte Linderung, sie wurde sein musikalisches Tagebuch. Das Album, das er mit Freunden seiner alten Band aufnahm, versammelt Musik, deren elektronische Klangflächen sich bedrohlich auftürmen oder hypnotisch kreisen. Passend dazu tragen die Songs Namen wie „Tramador“, ein starkes Schmerzmittel, oder „Like Punching Glass“. Musik von suggestiver Kraft hat „Mira, Un Lobo!“ („Achtung, ein Wolf!“) geschaffen.
4 von 5

Imarhan
Imarhan“ (City Slang / Universal)
Noch eine faszinierende Musikentdeckung jenseits der üblichen europäischen und US-amerikanischen Pop-Pfade ist die algerische Band Imarhan, die traditionelle Tuareg-Klänge mit Gitarren-Rock-Elementen, Jazz und Funk mischt. „Da ist Hoffnung in dem Groove!“, schreibt ein User auf Youtube unter das offizielle, selbst betitelte Video. Und tatsächlich wirkt der Sound der fünf Männer aus dem Süden des Landes treibend und kraftvoll, ohne versponnenen Heile-Weltmusik-Touch, sondern heutig und zeitgemäß. In England machte der Titel-Song bei der BBC gleich mal Rotations-Karriere. Musik, die dem Zuhörer ohne Umschweife Beine macht, Tanzbeine.
4 von 5

Big Thief
Masterpiece” (Saddle Creek Records)
Obwohl es das Debütalbum der US-Band Big Thief ist, umweht den Sound etwas angenehm Retrohaftes, auf eine gute Weise. Es ist ein Rock-Psychedelic-Folk-Album, die Musik hat Struktur und Kraft, ohne vordergründig pathetisch zu wirken. Sie kann druckvoll auftrumpfen, aber sich auch mal zurücknehmen. Die Stimme von Sängerin Adrianne Lenker, hoch und vibrierend, behauptet sich im Zusammenklang mit der verzerrten Gitarre von Buck Meek, wenn er beispielsweise im Song „Interstate“ ein düsteres Klanggewitter abfeuert. Bass und starke Drums tun ihr Übriges. Big Thief zeigen: Man muss das Rad nicht neu erfinden, wenn man es so stimmig ins Rollen bringen kann.
5 von 5
(bejblog)

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