04.11.2016

CD-Check Januar 2016


Kristoffer Åström
The Story Of A Heart ´s Decay“ (Startracks / Indigo)
Sofort ist man wieder drin und richtet sich ein in dem Sound dieser Stimme, die ein bisschen nasal und zugleich eindringlich und lässig klingen kann. Kristoffer Åströms Musik hat auch, was das Songwriting betrifft, großen Wiedererkennungswert: Rockigere Nummern wechseln sich ab mit countryesken Singer-Songwriter-Stücken. Atmosphärisch sehr dicht wirken die zehn neuesten Kompositionen des Schweden. Alle wurden auf Instrumenten eingespielt, von denen keines vor 1978 gebaut wurde. Herausgekommen ist dabei ein schöner aufgerauter, warmer Ton, leicht melancholisch, aber auch tröstlich, wie man ihn von Åström kennt.
4 von 5

Dylan LeBlanc
Cautionary Tale” (Single Lock Records )
Aufgewachsen u.a. in Louisiana und Alabama, da scheint ihm der bluesige Country-Folk quasi in die DNA eingeschrieben zu sein, den Sänger und Gitarrist Dylan LeBlanc mit gerade mal 25 Jahren so vermeintlich lässig aus dem Ärmel schüttelt. Ist natürlich Quatsch, denn der US-Amerikaner hat sich vielmehr ein sehr abwechslungsreiches Songwriting mittels fundierter Ausbildung erarbeitet, das außerdem ein breiteres musikalische Spektrum zu einem individuellem Sound vereint. Instrumentiert ist sein neues Album mit Cello, Pedal Steel, Piano, Mellotron, Synthesizer und einer außerordentlichen Stimme, die leicht wie ein Chorknabe klingen kann, aber auch provokant und sinnlich.
4 von 5

The Besnard Lakes (Jagjaguwar)
A Coliseum Complex Museum“
Der erste Eindruck: Hier wird Rockmusik üppigst zelebriert wie zu den Hochzeiten in den 70ern. Der zweite Eindruck: unterstreicht noch den ersten. Schwer wummernde, hallende Gitarrenflächen treffen auf psychedelische, sich in höchste Höhen schwingende Gesangstimmen. Die Musik der Band aus Montreal ist keine, die man mal eben so nebenbei hört. Für diesen Bombast muss man sich Zeit nehmen und den Kopf möglichst frei haben. Dann kann der Sound eine (Zeit-)Reise wert sein, mit seinen scheppernden Bässen, Synthesizer-Flirren und allerhand anderen mächtig aufgetragenen Klangerlebnissen. Schon etwas drüber und retro, aber gekonnt.
3 von 5

Your Friend (Domino Records)
Gumption“
Sie lässt ihre Stimme schweben, dazu hallt und braust es, geloopte Sounds scheinen auf und verschwinden wieder. Your Friend, dahinter steckt die junge US-Musikerin Taryn Miller, die mit „Gumption“ ihr Album-Debüt vorlegt. Miller schickt einen durch verrätselte Sound-Landschaften, unternimmt ambientige Forschungsreisen durch den Äther. Zeitweise fühlt man sich an den Altmeister Brian Eno erinnert. Die studierte Musikerin Miller spielt selbst die Gitarre, Bass, Drums, Synthesizer und bedient Loop-Station und Tonbandgerät, hat aber auch noch ein paar Gastmusiker an ihrer Seite. Trotzdem: Auf die Dauer ist das Ergebnis – besonders der Gesang – einfach zu eintönig geraten.
2 von 5

(bejblog)

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