14.03.2016

FLYING LOTUS - You're Dead! (2014): fusion

Mehr Mahavishnu Orchestra als Kanye West, mehr Material zu "The Third Power"-Zeiten als John Coltrane. Manchmal steht hier die Perfektion im Wege, das mühelose Ineinandergleiten von Samples, Bandeinspielungen, Software-Fummeleien und digitalem Angleichen und staubfrei Bürsten. Fusion am Schneidetisch. Dann wieder beeindruckt der große Bogen der Tode und des Todes (und beyond), den Flying Lotus hier aus der kurzweiligen Kleinteiligkeit spannt.Ein bisschen funktioniert You're Dead! daher wie ein Rasterelektronenmikroskop: Es liefert faszinierende, ultragenau noch die kleinsten Details abbildende Ergebnisse, für die das lebendige Subjekt jedoch leider erst getötet werden musste. Was ja auch zum Thema passt. Auf Until The Quiet Comes, dem Vorgänger, hat Flying Lotus aber ebenso agiert. Und dort war das Thema das Leben. Da passt es wiederum nicht. In letzter Konsequenz ziehe ich das Mahavishnu Orchestra dann doch vor.


13.03.2016

THE BEACH BOYS surf's up (1971)

Eigentlich ist alles an Surf's Up ok mit mir, außer das quälend langsam eiernde Day In The Life Of A Tree. Das erstaunt mich insofern, als ich durchaus nichts gegen quälend langsam eiernde Musik habe. Bei Disney Girls muss ich in selbstmitleidiger, nostalgischer Stimmung sein und etwas weinen dürfen. Bei Student Demonstration Time darf ich mich nicht auf den Text konzentrieren. Take A Load Off Your Feet ist ein verspielter Pop-Song, mit lustigen Geräuschen und einer Art steifem Funk-Reggae, der mir gut gefällt. Lookin' At Tomorrow (A Welfare Song) ist dezent effektbeladene, leicht schwindelige Psychedelik, ohne Fehl und Tadel. Feel Flows geht ebenso in die Richtung, da macht mich dann besonders der Stabreim-Overkill schwindelig. 'Til I Die und Surf's Up sind eh klar. Die Kandidatenwertung in aller Kürze:


Don't Go Near The Water * * * *
Long Promised Road * * * * *
Take A Load Off Your Feet * * * * ½
Disney Girls (1957) * * * * ½
Student Demonstration Time * * * *

Feel Flows * * * * *
Lookin' At Tomorrow (A Welfare Song) * * * * *
Day In The Life Of A Tree * ½
'Til I Die * * * * *
Surf's Up * * * * *

*****

5 Sterne: Gut
1 Stern: Nicht so gut

12.03.2016

KEITH EMERSON attack

Zwei Tracks haben mich an die 20-Minuten-Grenze herangeführt: Tarotplane von Beefheart und die Tarkus-Suite von Emerson, Lake & Palmer. Tarotplane habe ich nie abgeschworen, Beefheart war kompatibel mit dem Bildersturm von Punk und seinen Folgen, während Emerson, Lake & Palmer leicht als Feind auserkoren war, mit den Instrumentalschlachten, den Suiten und dem Rockstar-Giganto-Gehabe. Nachdem ich vor ein paar Jahren noch eine Schmähschrift zu Tarkus auf meinem Blog veröffentlichte, lernte ich das Album dann aber doch wieder schätzen. Nicht zuletzt wegen Emersons Macho-Keyboard, das mir lyrisch und perkussiv zugleich vorkam, mit bestimmender Hand gespielt, bisweilen aggressiv und sehr überlegt auf ein Ziel zutreibend. Gute Platte. Wieder. 

In meiner Wahrnehmung wollten Emerson und seine beiden Mitstreiter in jener Zeit das, was alle guten, progressiv orientierten Musiker ausgezeichnet hat: Sie wollten etwas zu Gehör bringen, was noch niemand zuvor zu Gehör gebracht hat. Und wenn dafür eben ewig lange Titel, brutale Synthesizer-Bomben, schwindelige Schnörkel und Maschinenwesen erfunden werden mussten, dann musste es eben so sein. Insofern was das alles in den interessantesten Momenten gar nicht so weit weg von Punk und dessen folgender Experimentierwut. Es ist furchtbar, wenn ein Mensch stirbt, indem er sich (vermutlich willentlich) ein Stück Metall in den Kopf jagt, ich hoffe aber, Keith Emerson ist an einem Ort angekommen, den er mit dem ein oder anderen brutalen Keyboardschlag ordentlich durchzurütteln imstande ist.