27.04.2015

TIM HARDIN heim

Ein neuer Anfang hätte es werden sollen. Ein neues Album war schon zu Hälfte fertig. Kurze Zeit später war Tim Hardin tot. Mit 39. Vier Tage nach seinem Geburtstag. Dies sind Auszüge aus seinem letzten Konzert. Hardin alleine an der Gitarre und einmal am Klavier. Natürlich ist das allein durch das reduzierte Setting schon intim, aber Hardin legt hier zudem noch eine wunde Intensität in die Songs. Zwischendurch in den Ansagen merkt man aber auch, wie sehr er das Konzert genießt. Und am Publikum merkt man, wie Hardin den Raum zum Britzeln bringt. Nicht das hier groß ausgeflippt wird oder so, aber es strahlt in den Raum.

Eines von den vielen Alben, die mir ein lieber Bekannter in letzter Zeit empfohlen hat. Und dessen Empfehlungen mich nie enttäuschen. Danke, Thomas-san.

Das Cover zeigt Hardin mit seiner Großmutter. Er widmet ihr auch einen Song: „Misty Roses“.



TIM HARDIN the homecoming concert 
(Line Records, 1981)

24.04.2015

ROCKS OFF storyboard

Am Samstag stand in der TAZ ein kleiner Artikel über Rocks Off - ein Plattenladen in Husum - wie Swen, der Besitzer, mir heute nicht ohne Stolz erzählte. Ein kleiner, aber feiner Artikel, der ganz gut Swen und Ladenatmosphäre wiedergibt.

Swen hat immer ein paar interessante Geschichten auf Lager, mit denen er mich gekonnt am Plattenwühlen hindert. Ein Highlight aus meinem heutigen Besuch ist der Satz: „Zuhause habe ich fast alles von Van Morrison, er ist gnadenlos überschätzt“. Kurz bevor ich ging, gab er noch einen kleinen biografischen Überblick über das Leben Aleister Crowleys, den er mit Querverweisen zu Ron L. Hubbard und Benito Mussolini garnierte. Swen hat mich im Laufe der Jahre darüber informiert, wie Led Zeppelin die Ideen schwarzer Bluesmusiker für ihre eigenen ausgegeben haben und mir die Beispiele vorgespielt. Er ist auch der Meinung, dass Ahmed Ertegun da entscheidend seine Finger im Spiel hatte. Swen erzählte mir, dass Rick Wakeman für ein Konzert die Royal Albert Hall zur Tropfsteinhöhle umbauen ließ und Vincent Price Kochrezepte gesammelt und zusammen mit seiner Frau ein sündhaft teures Kochbuch geschrieben hat. Außerdem wurden einige Orchester-Soundtracks für Hollywood-Großprojekte von Werken eines Husumer Komponisten inspiriert. Unter anderem für "Star Wars". Also es lohnt sich durchaus, mal in Husum bei Swen vorbeizuschauen. Ich bin dann schließlich mit vier Platten eines gnadenlos überschätzten Musikers von dannen gezogen.



ROCKS OFF  husum

23.04.2015

DAVID BOWIE pinups


Angeregt durch die letztens wieder auf Arte gezeigten Bowie-Dokus und "Shadows In The Night", Dylans aktuelles Sinatra-Cover-Entkleidungsalbum, hatte ich die Eingebung, ein anderes reines "Songschreibender Superstar covert Lieblingssongs statt selbst welche zu schreiben und untergräbt entweder absichtlich die Erwartungen oder hat einfach gerade keine guten eigenen Songs zum Verbraten parat"-Album mal wieder anzuschmeißen. Und da ich "Shadows In The Night" sehr schätze, dachte ich, das würde auch auf "Pinups" abfärben. Nur benötigt "Pinups" gar keine fremde Farbe, glänzt es doch aus sich heraus. Anders natürlich als "Shadows", nämlich mit beschwerterem Sound, selbst in den vermeintlich leichteren Momenten. Bowie hatte damals eine tolle Band um sich versammelt, mit Mick Ronson, T.J. Bolder und Aynsley Dunbar. Das hatte bei all dem Spaß, der immer wieder durchscheint, gleichzeitig Gewicht und Autorität. Dazu noch die Saxofone, der Moog - und die Violine, die sich ab und an ganz überraschend einschleicht (und deren Spieler auf dem Cover nicht aufgeführt ist). Ist dann irgendwie auch egal, wer die Songs geschrieben hat. Hätte nicht gedacht, dass mir "Pinups" nochmal soviel Freude machen würde.


DAVID BOWIE pinups 
1973

05.04.2015

DOCK BOGGS o tod

Über die irreale, geisterhafte Ausstrahlung alter Fotos aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts ist schon des öfteren geschrieben worden. Hier in diesem Beispiel wird das Irreale, längst Vergangene nochmal betont (und auch belebt), ohne zu versuchen, hinter das Geheimnis zu kommen. Der Scan gibt den Eindruck gut wieder: Das Graue schimmert undeutlich und silbern, darüber setzt sich ein hellblauer Filter wie eine wohlwollende, aber irgendwie auch distanzierte Vergilbung. Eine zarte Grafik aus (herabgefallenen?) Blättern signalisiert eine gewisse Bodenständigkeit, vielleicht aber auch die nur kurze Entfernung, die viele Themen der Platte vom Grab entfernt sind. In allem - in der Präsentation, in der Musik - eine sagenhafte Banjo-Platte.



DOCK BOGGS country blues 
[complete early recordings (1927-29)] 
(Revenant, 2004)


04.04.2015

KAREL GOTT hudba není zlá

Aus vollkommen nichtigem Anlass war ich hinter dieser LP her. Es ging um einen Dialog im damaligen Spex-Forum, wo ein User von seinem Bedauern darüber berichtete, dass der gute Karel nur durch den "Biene Maja"-Song von der Weltbevölkerung wahrgenommen wird. Worauf ich dieses Cover aus dem Google-Hut zauberte, auf dem man sehr schön sehen kann, wie Karel Gott übrigens von der Biene Maja wahrgenommen wird.

Langer Rede kurzer Sinn: Ich fühlte mich verpflichtet, diese LP zu besitzen, bekam sie dann auch nach geduldigem Suchen bei Ebay für ein paar Euro und musste leider meine Hoffnung, als erster Mensch die ungeheure Qualität dieses vollkommen unbeachteten Meisterwerks erkannt zu haben, an der ersten Biegung der Moldau begraben. Coverversionen wie "You've Lost That Loving's Feeling" (Originalschreibfehler) oder "Amazzing Grace" (Originalschreibfehler) wurden doch ziemlich schlagermäßig mit Orchester und Streichern zugepampt. Auf einigen (oder allen) Stücken singt Karel Gott tschechisch, was gar nicht so schlecht klingt. Insgesamt trotzdem verzichtbar, außer man schafft es, eine lustige Erinnerung damit zu verknüpfen. Für mich daher unverkäuflich.



KAREL GOTT hudba není zlá 
1973