23.02.2015

HAINO/ O'ROURKE/ AMBARCHI tee für die erschöpften

KEIJI HAINO/ JIM O'ROURKE/ OREN AMBARCHI 
tea time for those determined to completely exhaust every bit of this body they've been given 
2015

Die Teezeit, die uns Haino, O'Rourke und Ambarchi auf ihrem sechsten Kränzchen gönnen, begleiten sie auf Seite 1 der LP mit gewohnt gekonntem Krachgebäck an Hainos E-Gitarre, das diesmal sogar manchmal Ähnlichkeit mit melodiösen Psych-Soli hat, freundlich und schmackhaft ummantelt von O'Rourkes Bass und flambiert von Ambarchis Drums. Zwischendurch kredenzt uns Haino zur Geschmacksintensivierung eine schamanische Zeremonie mit bassigem Gewittergrollen.

Seite 2 beginnt mit einsamem Haino-Japanisch (vielleicht "Noch etwas Tee?"), das sich mit zarter Flöte abwechselt, die der Japan-Folker gerne mal zwischendurch einstreut. Ein Bass-Brummen im Hintergrund kündigt schon an, dass da noch mehr auf uns zu kommt. Haino tranciert sich den ein oder anderen Schrei heraus, die Band steigert sich langsam rein, bis plötzlich Hainos Silben verstummen. Stille. Stille. Ein leises, langgezogenes Musikmotiv (Gitarre?) kommt auf uns zu, eine E-Gitarre übernimmt dunkel und verzerrt, alles noch verhalten, O'Rourke setzt einen Basspflock, Ambarchi schellt dezent im Hintergrund. Langsam wirds lauter, Haino schreit kurz dazwischen und schlägt die Saiten zu einem Fantasie-Powerakkord an. Aus dem entwickeln sich schranzige Gitarrenverklüftungen, O'Rourke und Ambarchi folgen und schon sind wir wieder kurz im Lilalärmeland. Nach ein paar Minuten sackt das Land in sich zusammen wie eine kurz aufgekochte Lava-Insel, Haino beschwört wieder irgendwas, dann schließlich setzt er seine Jenseits-von-Crazy-Horse-Gitarre wieder ein. O'Rourke und Ambarchi entwickeln einen primitiven, kraftvollen Rhythmus drunter und das ganze Ding torkelt auf irgendwas zu, das - man ahnt es irgendwie - die ganze Unternehmung abrupt zum Stehen kommen lassen muss. Und so kommt es dann auch. Großartige Platte. Weniger verfolkt wie Teil 5, ähnliche aber längere Krach-Bietungen wie Teil 4, stellenweise das Beyond-Neil-Young-Feeling von Teil 3 und Teil 2. Von den Oberton-Effekten von Teil 1 ist hier (zum Glück) nichts enthalten.