27.08.2013

COUNTRY GOT SOUL









COUNTRY GOT SOUL  volume one
2003



Die beiden "Country Got Soul"-Sampler, die Jeb Loy Nichols (Fellow Travellers) Anfang der Nullerjahre zusammengestellt hat, sind sowas wie die Urmütter der "Country'n'Soul im Amerikanischen Süden der 1970er Jahre"-Zusammenstellungen. In punkto Songauswahl, begleitende Texte, Cover- und Booklet-Design nach wie vor bench mark, obwohl auch die "Sounds Of The South"-Zusammenstellungen von Soul Jazz Records nicht von schlechten Eltern sind.

Trotzdem ziehe ich die kleine "Country Got Soul"-Reihe vor, weil sie mir geerdeter erscheint, näher am Sujet als die edle Hochgklanzverpackung von "Sounds Of The South". Bei "Country Got Soul" bekommt man raues, fleckiges Papier, Schreibmaschinen-Type, mehr Soul und weniger Rock - und das Gefühl, auf eine als Kladde getarnte Schatzkarte gestoßen zu sein, dessen Ausgangspunkt zu reichen Entdeckungen führt, egal in welche Richtung man sich auch bewegt.




25.08.2013

22 PISTEPIRKKO winken








22 PISTEPIRKKO  downhill city orginal soundtrack
1999




Soundtrack zu einem kleinen aber feinen Indie-Episodenfilm mit Franka Potente in einer Winzrolle als sächselnde äh, Sächsin. Worum geht's? Unter anderem um einen finnischen Musiker, der nach Berlin kommt und versucht, sich im Gefühlsgestrüpp aus Heim- und Fernweh ein bisschen zu finden und als Musiker durchzustarten. Finnen reisen nicht selten mit Fähren. Ich lebe selbst an einem Ort, wo sich tagtäglich riesige Fähren tief in die Stadt schneiden. Und sich dann wieder weit davon entfernen. Sehr weit manchmal. „Where’s the home, Joe?“ fragen 22 Pistepirkko einmal. Dort wo man der Fähre hinterherwinkt, oder dort, wohin man sich von den Winkenden entfernt? „I don’t know“ antworten sie nach einer Pause gleich selbst, weil's eben jeder für sich allein herausfinden muss. Und weil 22 Pistepirkko auf dem Soundtrack viele Pausen lassen, also sowohl ihrem kratzigen, atmosphärischen Indie-Blues als auch den Protagonisten des Films Platz zur Entfaltung geben, durchzieht viele Tracks eine Unaufgeregtheit, die mich mehr anzieht als die "offiziellen" Studioalben der Gruppe, die mehr auf Druck setzen.

23.08.2013

CAPTAIN BEEFHEART fischhand








CAPTAIN BEEFHEART  & HIS MAGIC BAND
trout mask replica 
1969



Gutes Beispiel für ein Cover, auf dem eine Hand sehr, sehr prominent platziert ist, aber kein Schwein darauf achtet, weil alle nur Augen für den Karpfen haben, der in diesem Fall eine Forelle imitiert. Dabei ist die Hand der heimliche Star des Fotos, denn sie schafft es, das Gesicht des Captains zu verstecken  - unabdingbar für die Wirkung - und gleichzeitig als Teil des Fisches zu wirken. Über die Bedeutung des Federballs auf dem Zylinder dürfen sich kommende Generationen den Kopf zerbrechen. Ich schrieb mal irgendwo sinngemäß "Trout Mask Replica" wäre das "Moby Dick" der amerikanischen Musik und ihrer Ursprünge, und da ich auch nach Jahrzehnten immer wieder ungeahnte Verbindungen entdecke, die das zu bestätigen scheinen, bleibt's dabei.


22.08.2013

JACKIE MITTOO kratzen und knacken und orgeln und tanzen









JACKIE MITTOO keep on dancing
1969




Instrumentaler Partytanz aus Eigenkompositionen und Cover-Rip-Offs, auch mal mit lasziven Einsprengseln. Von Jackie Mittoo angeführt, dem Reggae- und Rocksteady-Orgelkönig. Zum Teil meisterhaft mumpfig, dann wieder hell und liebevoll das gewohnt katastrophale Jamaika-Vinyl bespielend. Wahrscheinlich kam um die Jahrzehntwende 1969/70 alle vier Wochen so ein Teil raus. Werde ich in diesem Leben nicht mehr schlecht finden.



05.08.2013

COLLEEN varianten









COLLEEN les ondes silencieuses
2007



Für "Les Ondes Silencieuses" (2007) lernte die französische Lehrerin Cécile Schott a.k.a. Colleen Viola und altertümliche Cello-Varianten spielen und ließ sich von einem gewissen Emiliano Flores begleiten. Heraus kam eine spröde Romantik, die zum Glück keine Vergangenheit museal nachspielt, sondern in der Gegenwart verwurzelt ist.

Ihr Meisterwerk machte Colleen ein paar Jahre früher mit "Everyone Wants Answers" (2003), wo sie Loops aus verfremdeten Spieluhren, Babygebrabbel, Streichersamples und Gitarren zu einem faszinierenden, unheimlichen Trip-Hop-Nachklapp verband. Nach sechsjähriger Pause ist sie heuer wieder mit einem neuen Album am Start.