18.04.2013

THE BLACK KEYS gefühle und launen








THE BLACK KEYS  
el camino (2011)





Tolle Platte, aber ich habe den Eindruck, man muss in einer bestimmten Gemütsverfassung sein, um ihren Power-Glam-Blues mit Gewinn zu hören. Zum Beispiel wenn man Tatendrang verspürt, Dinge zu machen, die man gerne macht, nachdem man Dinge erledigt hat, die man nicht so gerne macht. Dann allerdings kann man sich auf 11 interessante und kurzweilige Variationen freuen.


16.04.2013

JON ANDERSON her(r) mit den seidenklamotten










JON ANDERSON olias of sunhillow
1976



Ach, würde ich doch auch so zu einem Meeting gerufen werden. Ein zarter Chor säuselt "Meeting ... Meeting ... Meeting", dann:
"Ahrensfeld, zum Moorglade kommen, bitte. Zieh' die feinste Seide in den schillerndsten Farben an, du zerbrechliches Geschöpf!"
"Geht los."

Ist alles nur möglich, weil ich Jon Andersons Gesang nicht nur zu tolerieren lernte, sondern wirklich zu schätzen. So kann ich denn auch in seinem beknackten Fantasy-Eso-Konzept "Olias of Sunhillow" von 1976 baden und es mir zum Großwerk verklären. Kann man aber auch wirklich gut hören in diesen Zeiten, seit die Synthieflächen aus Prog und Kraut und Ash-Ra Tempel in Form von Ariel Pink und dieser ganzen hypnagogischen Blase wieder ins Heute gefiltert worden sind.

Jon Anderson spielt übrigens alle Instrumente und das elektronische Brimborium selbst. Erst danach wagte er, die Berufsbezeichnung "Musiker" im Pass zu führen. Im Moment werkelt er an einer Fortsetzung von "Olias of Sunhillow".





15.04.2013

TY SEAGULL hunde zu zeiten der psychedelik








 
TY SEAGULL - Goodbye Bread
2011




Singt wie John Lennon, spielt wie Townshend oder andere Rüpelgitarristen der Ära, aufgewachsen mit Sonic Youth. Es ist nicht immer schlecht, die 60er vor sich herzutragen, auch wenn man 20 Jahre später geboren wurde. Auf der Rückseite sind zwei Pudel verewigt, die einen vielleicht unorthodoxen Anti-Pudel-Schnitt haben, der aber viel besser aussieht als der normale Pudel-Schnitt. Im Inlay ist noch ein Schnauzer abgebildet. Kann aber kein Bild davon finden.














14.04.2013

TUXEDOMOON klappern in gotisch









TUXEDOMOON scream with a view
1979




Tuxedomoon ereichten ihren zersetzenden Proto-Gothic mit elektronischen dezenten Ennervierungen, verfremdeter Violine, Saxophon-in-Gut, überspannter Stimme, Bass und klappriger Beat Box. Ich behaupte, alles was sie bis 1980 machten, war Gold, danach stiegen sie weiter ab auf Silber und Bronze. Kurz danach verlor ich sie aus den Ohren. Scream With A View ist von 1979.




08.04.2013

THE CRUEL SEA gimme bisschen grimmig








THE CRUEL SEA three legged dog
1995




Ein dreibeiniger Hund hat starken Symbolwert. Er steht für großen Überlebenswillen in einer ungerechten Welt. Und auch ein wenig Mitleid schwingt beim Betrachter mit. Also genau das richtige Bild für die zähen Burschen von The Cruel Sea, bei denen auch Tex Perkins eins ums andere Mal mitmischte.

So auch auf "Three Legged Dog", einer Cruel-Sea-typischen Ansammlung von Surfsongs, Nicht-ganz-so-grimmig-Blues und Angedubbtem. Höhepunkt ist der funky Hardrock-Schlepper "Better Get A Lawyer", wo Perkins eine offensichtlich selbst erlebte (Drogen?)-Geschichte zum Besten gibt, in dessen Verlauf ihm ein Polizist den 1000mal gehörten Rat gibt: "Better getta lawyer, son, better get a REAL good one!" Im Booklet zeugt ein tolles Bild von den Vorkommnissen, es sieht sogar echt aus (ist es aber nicht). Alben von Cruel Sea gehen in Australien Platin, las ich mal.

06.04.2013

DENNIS WILSON wund








DENNIS WILSON pacific ocean blue
1977





 Wenn man nach dem Cover von "Pacific Ocean Blue" googelt, sieht einen der bärtige Dennis Wilson in den vielen Vervielfältigungen noch wunder an als ohnehin schon. Im Vergleich zu den perfekt ineinander verschränkten Stimmen, mit denen die Beach Boys Illusionen eines mythischen, grenzpubertären Kaliforniens heraufbeschwören, wirkt Dennis Wilsons Stimme auf "Pacific Ocean Blue" heiser und dünn. Man merkt ihm das Erwachsen-Geworden-Sein an. Man ahnt auch, hier hilft kein Schluck Wasser, um den trockenen Hals wieder feucht zu bekommen. Und das Schichten seiner Stimme mit noch mehr Stimmen- mit seinen, mit anderen - hilft auch nicht. Er wird nur immer einsamer werden, je mehr er sich damit umgibt. Den Bombast vom "River Song" habe ich gehasst, bis er mich mal mit voller Wucht traf. Die letzte wirklich erschütternd gute Platte, die aus dem Umfeld der Wilsons hervorgegangen ist.

(Foto: snobsite.com)

(video in deutschland nicht verfügbar ...)

05.04.2013

PEAKING LIGHTS kind und kegel





 



PEAKING LIGHTS lucifer
2012



Die Peaking Lights - hinter dessen Namen sich ein freundliches, junges Paar verbirgt, das im heimischen Studio an  elektronischen Geräten und antiken Beatboxen werkelt, über die Sängerin Indra Dunis dann schön verhangen die Vorzüge der kalifornischen Sonne preist - waren im vorletzten Jahr irgendwie mehr im Bewusstsein popkultureller Betrachtungen als im Jahr darauf.

Das lag vorwiegend am Hypnagogic-Hype, also jener vorwiegend elektronisch behandelten Musik, die sich alter 1920er-bis-1980er-Jahre-Ästhetiken bediente, um sie dann qua aktueller Filtersoftware mit soviel künstlicher Erinnerungspatina zu belegen, bis sie in der Zeit angelangt war, in der sie entstand - nämlich um die Jahrzehntwende der 2010er Jahre.

Mit "Lucifer" von 2012 aber konnte dann das ein oder andere Online-/Magazin nicht mehr viel anfangen. Man rang sich vielleicht mal eine recht freundliche Kritik ab oder verriss gleich das ganze Album (WIRE). In diversen Jahrescharts tauchten die Peaking Lights nicht mehr auf, und auch ich konnte mit "Lucifer" erst nicht so richtig warm werden. Zu zahm schien es mir, zu glückselig blubberte sein Dub vor sich hin.

Dann aber hat's irgendwann gefunkt, und ich konnte die rumpelnde Melange aus Beatbox-Geklapper, Keyboard und Lobpreisungen an den jungen Sohnemann (Lucifer?) genießen wie einen Massagesessel. Kommt beonders gut, wenn man "Lucifer" ganz durchhört, falls dafür deine Aufmerksamkeitsspanne ausreicht, lieber Leser. Aber wenn du bis hier dem Text gefolgt bist, bist du eigentlich schon qualifiziert.



(video in deutschland nicht verfügbar ...)

02.04.2013

CALIFONE settings








CALIFONE all my friends are funeral singers
2009 




Wenn es eine Band gibt, die den Geist alter amerikanischer Folk-Musik in unwiderstehlich schleppendem Tempo weiterträgt, ohne in Traditionalismen zu erstarren, dann ist das Califone (es gibt auch noch ein paar andere, aber ich will mir meinen Einleitungssatz nicht kaputt machen). Dazu passt auch, dass sie Filmmusik produzieren, denn die meisten Songs aus dem American Folksongbook sind ebenfalls durch hundertausend Lupen und Linsen veränderte Blickwinkel auf Szenen und Geschichten. Das Drehbuch des Alten Amerika ist um ein paar Settings reicher mit "All My Friends Are Funeral Singers".