08.10.2012

JOHN CALE angst und schrecken im studio daheim





John Cale, 
mittlerweile unter der Sonne L.A.'s lebend




Das letzte Mal, dass mich John Cale mit seinem elektronischen Heimbaukasten gekriegt hat, war bei 5 Tracks von 2003. Dort waren es aber eher die melancholischen Augenblicke (und die Violine), die an mich rankamen. Shifty Adventures in Nookie Wood dagegen lässt mich kalt. Dem Violinen-Drone auf "Vampire Cafe" werden die Zähne gezogen, so weit im Hintergrund darf er knapp an der Wahrnehmungsgrenze vegetieren. Das hat mich schon ziemlich enttäuscht.

Der nach meinem Kenntnisstand einzige Track mit Produzent Danger Mouse an den Knöpfen - „I Wanna Talk to U“ - ist der einzige Track, der mich auf Anhieb überzeugen kann. Beim Rest höre ich immer wieder interessante Stellen, die Cale aber regelmäßig mit seinen Studiospielereien zustellt, so als würde er sich und seinem Können nicht mehr vertrauen.

Aber wahrscheinlich liegt's zum großen Teil an mir, denn vor Jahren musste ich, der sich immer für einen großen Cale-Fan hielt, erschrocken feststellen, dass mir Cales unlockerer, mit viel Druck aus der Kehle gepresster, autoritärer Gesang in den letzten Jahren schwer auf die Nerven ging. Irgendwas muss passiert sein in der Zwischenzeit, denn den 1970er Cale höre ich immer noch gerne singen. Wahrscheinlich ist es einfach das Drumherum, das mir seinen Gesang vergiftet.









JOHN CALE shifty adventures in nookie wood
2012

Kommentare:

  1. Auf dem neuen Werk klingt John Cale in der Tat extrem gepresst und unlocker, schafft aber in dem konsequent altmodischen 80er-Jahre-Sound genug Selbstdistanz. Die Platte verwirrt, weil sie eine zeitgemäße Haltung verweigert, und das macht sie interessant. Man will immer wieder hören, was Cale eigentlich will (und kommt nicht recht dahinter). Das kann man als Schwäche auslegen - oder als geschickte Camouflage. Ich find's gut.

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  2. Danke für den Kommentar, Michael. So kann man es natürlich auch sehen. Mir ist es ein bisschen zu viel Distanz, die Cale um sich schafft.

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  3. kann mit dem neuen werk auch nix mehr anfangen. dachte eigentlich, "walking on locusts" wäre sein absoluter tiefpunkt hinsichtlich musikalischer belanglosigkeit, aber mit der neuen scheibe setzt er noch einen drunter. in meinen augen hat das nichts mit schaffen von distanz zu tun, das ist einfach ein absoluter mangel an brauchbaren ideen. im rahmen seiner aktuellen tournee war ich auch das erste mal seit 1985 nicht mehr live bei ihm vor ort. es hat mich einfach nicht interessiert, obwohl auch ich jahrzehntelang beinharter fan war. für mich eine der enttäuschungen des jahres.

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