17.02.2009

DISRUPT: the bass has left the building









Ich kenne die neue LP von Disrupt zwar noch nicht, aber nach dem "monumentalen" (WIRE) Vorgänger "Foundation Bit" erwarte ich mindestens eine ähnlich überzeugende Leistung. Der Titel (siehe Thread-Name) ist schon mal sehr vielversprechend.

Eine neue Single von Disrupt mit "two fresh Robo-skanking low end belters" (Jahtari) erblickte schon im Januar die Sumo-Matte. Siehe auch das erzitternd machende Cover. Die Single kann man hier hören.

Ich bin wieder hin und weg.

The Bass Has Left The Building erscheint am 1.3. bei Jahtari.

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09.02.2009

PETER HAMMILL: durchtränkt






Diese miesen last.fm-Wärter lassen nur eine begrenzte Anzahl an Hördurchläufen von Peter Hammills "Ophelia" zu! Ich will mir das entsprechende Album aber nicht kaufen, weil ich es nämlich schon habe. Genauer: Jetzt seit einem Jahr ungefähr wieder habe und zuvor (1981) auch schon mal hatte, dann aber verkaufen musste, weil ich mir von dem Erlös unbedingt irgendeinen anderen heißen Musikscheiß kaufen wollte, nach dem jetzt kein Hahn mehr kräht. Ich ersteigerte "Sitting Targets", jene LP von Peter Hammill, auf der das wundersame "Ophelia" enthalten ist, also bei Ebay und sie kam in einem erbärmlichen Zustand bei mir an: durchnässt und durchweicht, das Paket tropfnass. Der Zustand des Pakets war sogar so erbärmlich, dass der Postbote sich nicht traute, es mir auszuhändigen. Stattdessen verschaffte er sich heimlich Eintritt in den Hausflur und legte in aller Stille das zerfledderte, triefende Paket vor meine Wohnungstür. Ich weiß nicht, was er sich davon erhoffte, vielleicht dachte er, damit könnte er das Ganze verdrängen, aus den Augen, aus dem Sinn, aber als ich nach Hause kam und meine Peter-Hammill-Platte so unwürdig im Flur liegen sah, war ich dermaßen erbost, dass ich sofort zur Hauptpost fuhr, um dem Schaltertypen die traurigen Überreste des Pakets und alle seine mittlerweile sich abgelösten Bestandteile auf den Tresen zu werfen. Der Beamte konnte keine Gegenargumente aufbringen und so diktierte ich ihm meine Beschwerde in seinen Kugelschreiber, mehrmals nachfragend, ob denn auch wirklich meine geharnischten Worte über diesen ungeheuerlichen Vorgang den Postboten erreichen würden. Nachdem mir das mehrfach versichert wurde, zog ich mit der durchnässten Hammill-Platte wieder von dannen.

Zu Hause angekommen, musste ich gleich "Ophelia" hören. Viele Jahre nun war dieser Song schon nicht mehr Bestandteil meiner Plattensammlung und doch konnte ich das Stück immer wieder ohne Probleme aus den Gedanken abrufen - und jetzt beim echten Hören bemerkte ich, wie genau ich es die Jahre über in meiner Erinnerung bewahrt hatte. Der rollende Anfang der Akustikgitarre, die seltsame Geschichte über Ophelia, über einen Fremden, der zu spät kommt und ebenfalls unvorbereitet ist. Peter Hammills Gesang ist erstaunlich sanft, dabei ist er ansonsten der unlockerste aller meiner Lieblingssänger. Johnny Lydon-Rotten mochte ihn ebenfalls und bezeichnete Hammills LP „Nadir’s Big Chance“ als eine seiner Initialzündungen zu Punk, was ich aber anhand von „Nadir“ nicht nachvollziehen konnte. Das Hammill ins leicht Psychotische fällt, nach Ärger und Problemen riecht, ist schon eher eine Punk-Blaupause. Jedenfalls singt er hier auf „Ophelia“ sanfter, obwohl er mit der Zeit alle möglichen Interpretationen und Zustände des Songs in zahllosen Live-Versionen über die Dekaden durchgekostet hat. Nicht immer interpretierte er dabei die Zeile, die er dreimal wiederholt - „you throw yourself against the wall/ you throw yourself against the wall/ you throw yourself against the wall“ - so lieblich wie auf der Studioversion der “Sitting Targets”-LP. Ein besonders guter Live-Mitschnitt (von 1983) ist hier zu finden. Und da merkt man dann in allem - im Gestus, in den Bewegungen, im aggressiven Ausstoß des Verses - wo die Energie steckt, die Johnny Rotten Peter Hammill und Punk zusammendenken ließ.

Ist die hammillsche Ophelia die shakespearsche Ophelia? Die schöne Ophelia, von Hamlet schroff abgewiesen, die ihr Lebensende schließlich in einem morastigen Gewässer fand? Ist es das, worauf sich Hammill bezieht, wenn er den meisterhaften Refrain singt: „It’s so strange how the feeling goes/ All change down the river Ophelia goes“? Und dann kam mir ein seltsamer Gedanke: Ist jenes durchnässte Exemplar von „Sitting Targets“, das ich vor meiner Wohnung fand, womöglich durch dasjenige Gewässer gezogen worden, in dem der mit Schlamm bedeckte, bleiche Körper der armen, abgewiesenen Ophelia lag? War es gar nicht der Postbote, der mir die Platte vor die Wohnungstür legte?

Das Cover von "Sitting Targets" trocknete nach diesen Geschehnissen übrigens einfach so ein und sieht heute aus wie neu.