28.03.2007

Alexander 'Skip' Spence: Allein unter Spuren


Als Alexander ‚Skip’ Spence im Dezember 1968 nach sechsmonatigem Aufenthalt aus der geschlossenen psychiatrischen Abteilung des Bellevue Hospitals, New York, entlassen wird (spätere Diagnose: Paranoide Schizophrenie), überlässt er sein Hab und Gut den Mitinsassen. Was er jetzt machen wolle - zurück nach San Francisco, zurück zu den Kumpels von Jefferson Airplane oder Moby Grape, bei denen er Schlagzeug und Gitarre gespielt hat? Alexander ‚Skip’ Spence entscheidet sich dagegen. Er investiert stattdessen sein letztes Geld in ein gebrauchtes Motorrad und fährt nach Nashville.

Es muß für den ein oder anderen Farmer auf der rund 400 Meilen langen Strecke eine seltsame Begegnung gewesen sein, einen langhaarigen Bartträger im Patienten-Outfit an ihm vorbeirauschen zu sehen. Ob Spence seine während der Monate in der Geschlossenen geschriebenen Songs im Benzintank versteckt, ist nicht überliefert. Er überlebt die Reise jedenfalls - anders als die zeitgleich und fiktiv im Film „Easy Rider“ durch das weiße Amerika fahrenden Dennis Hopper und Peter Fonda - und checkt im Nashviller Columbia Studio ein. In nur vier Tagen entsteht „Oar“ - die Bestandsaufnahme einer vormals lokalen Berühmtheit der San Franciscoer Acid-Rockszene, der durch die Einweisung in die geschlossene Psychiatrie plötzlich der existentielle Boden unter den Füßen weggezogen worden ist.

Als befürchte er, seine Erfahrungen anderen Musikern nicht vermitteln zu können, spielt Spence das Album komplett alleine ein. Mit Bass, Gitarren und Schlagzeug schart er die Spuren seiner Musik und seines Zusammenbruchs um seine Stimme, formiert sie zu einer speziellen, buchstäblich in der Zelle entstandenen psychedelischen Kammermusik. Im majestätischen „All Come To Meet Her“ holt Spence noch einmal den Summer of Love 1967 zurück. In der slow-mo Country-Folk-Verdunkelung „Weighted Down (The Prison Song)“ präsentiert er sich als einen um Jahrzehnte gealterten lebenszerrütteten Loner - kaum zu glauben für einen gerade mal 22jährigen. Im Hintergrund des mächtigen „Books Of Moses“ scheint jener höchstselbst seine Bücher noch einmal in Stein zu meißeln. Schließlich der Höhepunkt: das 14minütige erschütternde Medley „Grey/Afro/This Time He Has Come“. Zu phrasierter Drum’n’Bass-Begleitung zerflüstert und vernuschelt Spence die Verse zu einem fast unidentifizierbaren Wortstrom. Zum Ende windet er ‘es’ heraus: „I can’t live about it, I can’t talk about it, I can’t sing about it ...without you!“.

Die Liebe als unbedingte Notwendigkeit, der schöne Schein psychedelischer Erfahrungen und der existenzbedrohende Horror von sechs Monaten psychiatrischer Inhaftierung - all das fließt in „Oar“ ein. Spences große Leistung ist es, die Kraft aufgebracht zu haben, sein zerrissenes Leben in diesen rauen Schönheiten und zärtlichen Erschütterungen fassbarer gemacht zu haben. Kein Zeugnis eines gebrochenen Mannes. Ein Triumph.

26.03.2007

Jesse Sykes And The Sweet Hereafter: "Like, Love, Lust & The Open Halls Of The Soul"


Dazu müsste Brinkmann was sagen, nicht ich, denn ich höre Jesse Sykes hier zum ersten Mal richtig und vollständig, also nicht versteckt als Gastsängerin auf "Altar" von SunnO)))/Boris. Ich bin aber spontan bereit, ihr selbigen zu schnitzen, oder meinetwegen auch mit falschen, angekanteten Zirkonoxid-Zähnen aus schwarzem Mammutbaumholz zu NAGEN. Vielleicht schleift sie sich aber selber Kraft ihres Gesangs einen eigenen Schrein. Ihre heisere Kehle ist dazu im Stande, Schicht um Schicht abzutragen, selbst wenn es Jahrhunderte dauern sollte. Aber was ist schon Zeit, wenn sie sowieso stehen bleibt in dem Moment, wenn die Sykes zu singen anfängt?

Ich weiss nicht, ob ich das irgendwo gelesen habe oder mir gerade selbst herbeifantasiere, aber das erinnert mich an einen Typen, der bisher ohne Vergleich geblieben ist: Tim Buckley. Er bleibt auch weiterhin ohne Vergleich, aber wie man auf anderen, schwer rekapitulierbaren Wegen zu einer ganz ähnlichen Unbestimmtheit gelangen kann, die dunkel und hell zur gleichen Zeit ist, das demonstriert Jesse Sykes auf "Like, Love, Lust & The Open Halls Of The Soul" aufs beeindruckendste. Eine nicht für möglich gehaltene Mischung aus Happy/Sad-Folk und Greetings-From-L.A.-Rock, ohne Alkohol, ohne Kontrollverlust, mit richtiger Band, die auffängt, Lücken lässt, sich zurücknimmt und nach vorne drängelt. Oder suggeriert mir das nur der gewohnt sensibel klirrende Mix von Tucker Martine? Es freut mich jedenfalls, dass diese Art von Musik existieren kann, ohne dass man einen frühen Künstlertod dafür sterben muss.

Dazu müsste noch mehr geschrieben werden. Wer macht's?

BRINKMANN-EDIT

Kollege Ahrensfeld läßt offensichtlich keinen Treppenterrier geschulten Trick aus, um mich zu nötigen, neben Kellerwänden auch weiterhin diesen Blog "vollzuschreiben" - für Dälek gab es wenigstens noch ein vorsichtig angeknistertes Vinyl von Neil Young ("Comes A Time"), bei Woven Hand und Laura Veirs setzte er vergeblich auf meine Entdecker-Eitelkeit (wie sagte Schreuf so schön: "Was ich noch zu sagen hätte, dauert eine Zigarette---nfabrik" - ob das noch mal was wird mit dem Reader?). Aber jetzt versucht er es mit Jesse, und da hört der Spass auf! Die wollten Hablitzel und ich schon seit langem geheiratet haben, nur waren die Flüge nach Seattle überbucht und... Egal.

Was gibt es noch zu erwähnen? Die Frau hat eine eigene Website - http://www.jessesykes.com/ ; es gibt ein sehr intimes Radio-Konzert mit ihr und Phil Wandscher ihrem Begleiter (ex-Whiskeytown, ex-Hominy, ich glaube auch ihr Kerl) - sie waren in der Sendung "Morning Becomes Eclectic at 11:15am" zu Gast und das ist hier zu sehen: http://www.kcrw.com/music/programs/mb/mb041118jesse_sykes_and_phil (etwas tricky,der grössere/gefettete Link am Ende des Absatzes funktioniert nicht, ihr müsst den ersten, kleinen Watch-Link nehmen - dann öffnet sich ein neues Fenster, dort kommt erst mal ein sehr kurzer Trailer zum traurigen Stand der Online-Radio-Gesetze und danach 40 Minuten pure Bliss!) ... Mich hat das ganz wuschig gemacht, aber nicht nur den Fanboy in mir - man beachte die frühe Frage nach den Covern...:

-----Original Message-----
From: Lars Brinkmann
Sent: Tuesday, February 07, 2006 1:12 PM
To: Markus Hablizel
Subject: die sykes
click das: http://www.kcrw.com/music/programs/mb/mb041118jesse_sykes_and_phil (link aktualisiert) ansonsten, wenn der link nicht funzzt, einfach auf ihrer site unter links auf "Morning Becomes Eclectic 11/18/04".... es lohnt sich. diese stimme... *gänsehaut*

Am 07.02.2006 um 13:22 schrieb Markus Hablizel:
Mist, der Stream bleibt nach fünf Minuten hängen. Muss ich zuhause schauen.Die Dame kommt straight aus den Sechzigern, oder? Dieser Tonfall, die belegte Stimme (okay, evtl. der Erkältung geschuldet), das Repetetive...Bei Amazon gibt's zwei, drei Alben, die werd ich mir holen! Oder ist das Vinyl so geil, dass man sich lieber das holt? Klappcover mit ihr drauf?

Am 07.02.2006 um 13:32 schrieb lars.brinkmann@XXX
musst du machen, schon wegen der geschichte zu "sweet hereafter" - sie betont, dass sie ja nicht wie so eine doofe new age-tante wirken will aber erzählt dann doch einen traum,... ganz gross, eine frau für die man umsiedeln möchte, um ihr näher zu sein. auch schön: wurde von lynyrd skynyrd zur musik gebracht, wie sie das erklärt - alles richtig.
was die sechziger angeht; ich weiss nicht, für mich dockt das atmospärisch noch eher an die fünziger an, julie london, torch-songs, dieses unschuldige schmachten mit der gewissheit um den vermeintlichen betrug... dazu aber dieses badalamenti-mässige, was sonst nur chris isaac in seinen selten grossen momenten besitzt; neee, das ist schon sehr hier & jetzt... zeitlos... die hat nur die beiden alben gemacht (und eine single), beide toll - die 1. lp (reckless burning) hat ein klappcover mit ihr druff aber ohne bilder "drin", die cd hat ein etwas anderes cover und mehr bilder :o) die zweite hat leider kein klappcover und ein vergleichsweise prosaisches, leicht modernistisches cover... also ran da, erstmal die cds, dann das vinyl, so hab ich das auch gemacht (die musik schreit natürlich nach feinem knistern)

Am 07.02.2006 um 13:42 schrieb Markus Hablizel:
Hahaha und dann singt sie: "I'm on your side now!" Und wer hätte diese Dame nicht gerne auf seiner Seite. Fickende Hölle!

Am 07.02.2006 um 13:50 schrieb Lars Brinkmann:
bei dem radio-konzert musst du mal darauf achten, wie sie an einer stelle dem moderator ins wort fällt und sich dann
gestisch selbst diszipliniert - sweet... meine lieblingsstelle.

(...)

-------------- Not the End --------------

Das ging dann noch mal ein paar Tage mit uns so weiter, zwischendurch konnten wir uns nicht einigen, wer ihr nun den Antragg machen darf; mittlerweile gibt es ein neues Album, das vielleicht nicht ganz sooo zwingend ist wie die beiden Vorgänger aber immer noch besser als 99% der Alben ihrer Mitbewerber - demnächst ist die Dame auf Deutschlands Bühnen zu erleben, eine sicher Empfehlung für einen schönen Abend im Kreis der Lieben.

Spring European Tour (April)
12. Amsterdam , NL - Paradiso
13. Rotterdam, NL - Motel Mozaique
14. Tongeren, B - Viva Velinx
16. Toulon, F - Faveurs de Printemps
17. Grenoble, F - Le Ciel
19. Zürich, CH - Zukunft
21. Bourges, F - Le Printemps de Bourges
23. Bilbao, ES - Kafe Antzokia
24. Madrid, ES - Neu! Club
25. Valencia, ES - Loco Club
26. Barcelona, ES - Zacarias club
27. Huesca, ES - Teatro Matadero
28. Schorndorf, D - Manufaktur
29. Dresden, D - Scheune
30. Hamburg, D - Markthalle
XX. Berlin (Kollege Busche, ebenfalls ein Bewunderer, behauptet, die Sykes käme auch nach Berlin...)

16.03.2007

The Handsome Family: After We Shot The Grizzly




Man stelle sich bitte einen ausgeruhten Country-Schleicher vor, mit einer umschmeichelnden Männerstimme, losgelöst von Hektik und Sorgen, in sich ruhend, im Geiste auf der Holzveranda gespielt. Got it? OK, hier nun der Text, sanft schaukelnd vorgetragen, mit Blick auf das Meer:







After we shot the grizzly
After the airship crashed
After we lost the compass
After the radio went dead

We shot and ate the horses
We marched through deadly swamps
Inside a limestone cave
I found a human skull
Yes, Mary, I found a human skull

The captain caught a fever
we tied him to a tree
We stared into the fire
And tried not to hear his screamss

I killed a tiny antelope
not scared by my approach
we turned it over dying flames
ass we huddled in the gloam
Yes Mary, we huddled in the gloam

We built a raft from skin and bones
Only five could safely float
the others stood upon the shore
they screamed and threw sharp stones
Yes Mary, they threw the sharpest stone

But how the sea did spin us
How the waves did roar
The captain jumped into the storm
then we were but four

one by one we chose our straws
till only I remained
but Mary you are with me now
all around me in the waves
Yes Mary, you are in the waves


Danke, liebe Handsome Family. Danke auch dafür, dass ihr einen Song über Nikolaj Tesla verfasst habt. Aber das ist eine andere Geschichte.


THE OFFICIAL HANDSOME FAMILY HOME PAGE

13.03.2007

Hair Police: Abrasion und Materialermüdung

‚Do exactly as you’re told and nothing will happen to you’, lässt Raymond Pettibon 1985 einen mit Gewehr bewaffneten Cop sagen, und dem so Angesprochenen wird in jenem Moment bewusst sein, dass seine Wahlmöglichkeiten höchst beschränkt sind, will er aus der Sache halbwegs lebendig wieder raus kommen. Den Anweisungen der Ordnungshüter von Hair Police sollte man ebenfalls unbedingt Folge leisten, sonst würden sie wahrscheinlich einen ganz ähnlichen kranky Noise aus einem herausprügeln, wie sie es sonst nur aus ihren bis zur Unkenntlichkeit verbrummten Gitarren und Oszillatoren zu tun pflegen.

Damit möchte ich sanft die heutige Kolumne „Benommen zu Zeiten“ einleiten, die sich unterschwellig mit Themen befasst wie denjenigen, ob Lokalanästhesie Kreativitätsblockaden lösen kann oder ob ein Track zwangsläufig schlecht sein muss, nur weil man ihn nie wieder hören möchte.

Es kommt immer wieder einer kleinen Enttäuschung gleich, wenn gewaltige und faszinierend ungenießbare Musik nicht von Blut trinkenden Barbaren mit schusssicheren Lederjacken und Locken aus aschgrauem Fiberglas stammt, sondern von freundlichen, langhaarigen, etwas schlabbrigen Collegetypen aus - wie in diesem Fall - Lexington, Kentucky, die sich auf ihrer Website artig für die Unterstützung während der letzen Tour bedanken und auch ansonsten den Eindruck von umgänglichen, im Waschcenter brav auf ihre Wäsche wartenden Heranwachsenden machen. DIE machen so’ne Musik???

Wie von so vielen anderen im Grenzbereich von Psychedelik, Drone und Improvisation operierenden Kollektiven vom Schlage Black Dice, Sunburned Hand Of The Man oder Animal Collective wird auch von der seit 2001 auf Streife fahrenden Hair Police jeder Ton gesammelt und gewissenhaft in Untersuchungshaft genommen, um daraus dann innerhalb von sechs Jahren gefühlte 37 Platten zu veröffentlichen oder als selbstgebrannte CD-Rs an Wehrlose und Bedürftige zu verschenken. So gelangten denn auch zwei Tonträger zur Bewährung in meine Hände, nämlich „Obedience Cuts“ (2004) und „Drawn Dead“ (2005). „Drawn Dead“ besteht aus vier längeren, unterschiedlich stark verzerrten Gitarren-Abrasionen und weiteren untergeordneten elektronischen Abrieben, die dort beginnen, wo keine Namen mehr existieren, und für die das Wort "Distortion" zu lieblich klänge. Ständig brechen scharfkantige Partikel aus dunklen Oberflächen, und ehe man versucht, sich einen Weg durch das Geröll aus abrupt verändernden Feedback-Noises zu bahnen, zerbröselt der Krach ins Nichts - um sich sodann im nächsten Track als Kriegsszenario wieder neu zu erfinden. Ich kann aber beruhigen: Die vereinzelten Schreie sind elektronisch generiert; soweit mir bekannt ist niemand bei den Aufnahmen zu Schaden gekommen.

Ebenso wenig wie vermutlich auch bei „Obedience Cuts“ von 2004. Die Stücke sind hier kürzer und, ähm, abwechslungsreicher. Es findet sich mit dem Titeltrack sogar ein kontemplativer Ruhepol, der zum größten Teil aus unregelmäßig geschlagenen Glockentönen besteht (die natürlich die Ruhe schon wieder zu untergraben verstehen). Dafür gehen die Splattersounds noch markerschütternder zur Sache und haben auch entsprechende Namen wie „Open Body“, „Boneless“, „Full of Guts“ oder „Skull Mold“. Mein Favorit bleibt aber obige „Drawn Dead“, gerade weil sie auf Abwechslung keinen Wert legt und sich konsequent solange schmirgelt, bis sie aufgrund von Materialschwund aufhört zu existieren.

Schon seit einigen Tagen trage ich mich mit diesem Text herum, ohne jedoch etwas Nennenswertes zustande gebracht zu haben. Jetzt, unter dem Eindruck einer frischen Parodontose-Behandlung und noch vollständiger, mich sabbern machender Rundumbetäubung des Mundraums, geht der Text dann plötzlich sehr glatt von der Hand. Daher mein Tipp: Hair Police besorgen und Heil- und Kostenplan für eine PA-Behandlung bei der Krankenkasse beantragen.


Hair Police Homepage

02.03.2007

The Clean - urplötzlich auf unverdächtigem Datenträger materialisiert!



Mysterium meines alten Psion Revo Organizers: Seit einiger Zeit schreibe ich meine Notizen, die ich auf meinen Autotouren mache, in eine Datei mit dem seltsamen Namen "AAA Auszeit". Warum, wieso, weshalb? Nur vage ahne ich es.

Egal, jedenfalls versteckte sich auf einer Daten-CD, die ich zufällig in meinem Wagen fand und die den schlichten Namen „Foto“ trägt, eine von mir verdrängte Doppel-CD von The Clean aus Neuseeland, die es vielleicht ohne diesen geheimnisvollen Zufall nicht mehr an die Oberfläche meiner Wahrnehmung geschafft hätte. Nun, die Band hätte meine Verdrängung sicher überlebt, würde sich noch leben.

Bekannt wurden The Clean Mitte bis Ende der Achtziger Jahre durch hibbelige Geschwindigkeitstracks, wie sie die Velvet Underground vielleicht gespielt hätten, wären sie nicht in ihrem New Yorker Kunst- und Literatur-Kontext dazu gezwungen gewesen, das Hibbelige durch das Schwierige zu ersetzen. Tatsächlich ist „Point That Thing Somewhere Else“ eines der treibendsten (und coolsten) Stücke, das im weiten Feld von Punk-initiierter Psychedelik je aufgenommen wurde. Es gibt noch ungefähr zwei Dutzend andere herausragende Tracks auf der (chronologisch angeordneten) Anthologie, die mal mehr mal weniger die Rasselbande herauskehren, ohne allerdings ganz auf gekonnt eingesetzte Verorgelungen zu verzichten.

Auf der zweiten CD, im fortgeschrittenen Bandalter sozusagen, entwickelten sich The Clean etwas weg vom schnellen Independent-Gerocke. Man räumte die Songs auf und fegte dabei die Tracks manchmal ein wenig zu besenrein. Der elektrisch verstärkte Krach wurde entzerrt und runtergedimmt. Die besten Songs dieser Phase gehen fast als frühe Pink Floyd durch. Das Hibbelige verschnauft in experimentelleren Dreiminütern, sanfteren Entwürfen nicht mehr ganz so schwindeliger Bonbon-Psychedelik - und in mit deutschem Fantasieakzent gesungenen Seltsamkeiten wie einer Hommage an Ludwig, König von Bayern, incl. Schwulsein, Wagner, Schlösser, Walt Disney und Ertrinken. Seltsam? Sehr seltsam. Das ist so Syd Barrett, wie Syd Barrett auf Demoaufnahmen zu den Demoaufnahmen zu den Demoaufnahmen halt Syd Barrett gewesen sein könnte. Lachen ohne Madcap.